DIE ENDINGER NARRENZUNFT VON 1782 – HÜTERIN DER TRADITIONEN

Der Aufbau der Narrenzunft, die in Torli und Zunfthaus beheimatet ist, hat sich seit ihren Anfängen bis heute kaum verändert. Die Geschicke der Zunft werden vom Zunftrat bestimmt. Nur wenigen Zunfträten wird die Ehre der Ernennung zum Erznarr zuteil. Die Fasnet wird vom Oberjokili angeführt, der aus dem Kreis der Zunftbrüder gewählt wird. Auch Fahnenträger, Stadttier werden alljährlich neu bestimmt. Der Storch wird hingegen vom Zunftbruder, der zuletzt vor der Fasnet Vater geworden ist, getragen.

Geschichte

Die Endinger Fasnet wird zum ersten Mal im Jahre 1499 erwähnt. In jenem Jahr gab Kaiser Maximilian den Endinger Bürgern das Recht, vor den Fasnetstagen einen Markt abzuhalten. Unsere Hauptfigur, der Jokili, tritt erstmals im Jahre 1782 in Erscheinung. In jenem Jahr wurde auf dem Marktplatz der Stadt das Fasnetsspiel „Jokilis Heimkehr“ aufgeführt. Im Zusammenhang mit dem Fasnetsspiel wird auch eine Fasnetszunft genannt. Ab 1842 zeigte sich der Fasnetsverein „Krakehlia“ bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts für die Organisation der Fasnet in Endingen verantwortlich. Seine Mitglieder rekrutierten sich aus dem aufkommenden Bürgertum. Die heutige, im Jahre 1929 wieder gegründete, Endinger Narrenzunft sieht sich als Nachfolgerin dieser frühen Fasnetszünfte und damit als Hüterin der langen Endinger Fasnetstradition. Sie gibt der Endinger Fasnet den althergebrachten Rahmen, in dem sich das bunte und „wilde“ Narrentreiben Jahr für Jahr aufs Neue entfalten kann.

Aufbau

Der Aufbau der Narrenzunft entspricht der einer alten Handwerkszunft. Wer ihr beitritt, hat sich zuerst in drei Zunftjahren als Zunftlehrling zu bewähren, ehe er durch den stolzen Empfang des Gesellenordens zum Zunftgesellen ernannt wird. Aus den Reihen der Zunftbrüder werden die Zunftmeister in ihren einzelnen Funktionen gewählt. Bewährte Zunftgesellen können in den Zunftbeirat gewählt werden, dem auch die Narrenvögte der örtlichen Narrennester angehören. Beiräte und Meister bilden zusammen den Zunftrat. Die als Jokili aktiven, meist jüngeren Zunftbrüder sind in der Jokiligruppe zusammengeschlossen. Aus ihren Reihen werden alljährlich der Oberjokili, das Stadttier und der Fahnenträger gewählt.

Zunftrat

Der Zunftrat leitet die Geschicke der Zunft. Angeführt wird der Zunftrat bzw. die Narrenzunft vom Oberzunftmeister. Ihm zur Seite steht sein Stellvertreter der Zeremonienmeister. Ebenfalls zum engen Führungskreis gehören der Chronist, der die Chronik der Zunft führt, sowie der Säckelmeister, der verantwortlich für die Finanzen der Zunft ist. Der Säckelmeister wird unterstützt vom Zunftkassier. Der Zunftschreiber koordiniert die Kommunikation nach Innen und Außen. Der Straßenfasnetmeister organisiert die zahlreiche Umzüge. Der Gewandmeister ist verantwortlich für das ordnungsgemäße Erscheinungsbild der Jokili. Der Archivar ordnet die zahlreichen historischen Dokumente in unserem Zunftarchiv. Im Rahmen der Saalfasnet gibt es jeweils verantwortliche Zunftmeister für Organisation und Programm. Der Jokiligruppenvater führt die Jokiligruppe an. Der Narresomemeister kümmert sich um die Kinderfasnet. Der Zeugmeister achtet darauf, dass unsere Utensilien in astreinem Zustand sind und bleiben. Der Torliverantwortliche wacht aufmerksam über den ordnungsgemäßen Zustand von Torli und Zunfthaus. Der Bewirtungsmeister ist für die Bereitstellung von Speis und Trank an unseren Veranstaltungen zuständig. Nicht alle Zunftmeisterposten sind in der Folge von Amtsauf- und übergaben jederzeit besetzt oder werden kommissarisch geführt. Unsere „pensionierten“ Zunftmeister, Erznarren und Altmeister stehen ihren Vorgängern bzw. dem gesamten amtierenden Zunftmeisterkreis natürlich jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Oberjokili

Einmal Oberjokili zu sein, davon träumt sicherlich jedes Kind in Endingen. Und wenn es dann tatsächlich soweit ist, geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das erhebende Gefühl, wenn über den Marktplatz schallt „Ihr liabi Lit“, bald gefolgt von einem „Jokili kumm“ ist kaum zu beschreiben. Der Höhepunkt im Leben eines jeden Zunftbruders! Diese Tradition fortzuführen und gleichzeitig die Verantwortung, in die großen Fußstapfen bedeutender Narren zu treten, ist einfach überwältigend. So viele Narrenbrüder durften schon Schlüssel und Zepter tragen. Wer wird der Nächste sein?

Oberjokili 2020 / 21: Goran Novakovic

Fahnenträger, Stadttier und Storch

Neben dem Oberjokili werden weitere Ämter jedes Jahr aufs Neue besetzt. Ihre Würdenträger sind zurecht voller Stolz, die Zunft auf diesem Wege präsentieren zu dürfen. So ist es ein unvergessliches Erlebnis, als Stadttier einmal ungestüm durch Endingens Straßen zu jagen. Es ist eine große Ehre, als Träger der Zunftfahne das Narrenvolk hinter sich zu sammeln. Als Storch kann zudem der ganzen Narrenstadt auf großer Bühne ins Gedächtnis gerufen werden, dass man im vergangenen Jahr stolzer Vater geworden ist! Im Laufe der Jahre haben viele unserer Zunftbrüder diese Ämter bekleidet. Seht Euch an, welche Würdenträger sich auf diese Weise für immer in unseren Chroniken verewigt haben.

Fahnenträger 2020 / 21: Luca Müller
Stadttier 2020 / 21: Alexander Hinz
Storch 2020 / 21: Daniel Romann

Torli und Zunfthaus

Unser Städtli hatte einst mindestens drei Tore: im Osten das Riegeler Tor. im Süden das Freiburger Tor und im Westen das einzige heute noch erhaltene Königschaffhauser Tor, von uns Endingern liebevoll nur „Torli“ genannt. 1973 hat die Stadt das Torli der Endinger Narrenzunft zur Nutzung überlassen. In monatelanger Arbeit wurden seinerzeit von der Jokiligruppe sämtliche Räume innerhalb der dicken Mauern renoviert und hergerichtet. Dazu gehören die hochoffizielle, historische Zunftstube, das gemütliche „Narrestibli“ und das kleine aber feine Fasnetsmuseum, in dem die Endinger Fasnet und ihre Narrenfiguren dargestellt sind. Auch das angrenzende „Zunfthüs“ wird von der Narrenzunft unterhalten und vor allem als Versammlungsort genutzt.

Erznarren

Die höchste Würde, die ein Endinger Narr erreichen kann, ist die Ernennung zum Erznarren. Nur einer überschaubaren Anzahl an Zunftbrüdern wurde diese Ehre bislang zu Teil. Mit großem Einsatz und unbändiger Leidenschaft hat sich jeder der Erznarren auf seine eigene Art in besonderer Weise für unser Brauchtum verdient gemacht. Ehre, wem Ehre gebührt!