Unser Brauchtum

Jokiligeist

Traditionell holt die Narrenzunft am ersten Freitag im November den Jokiligeist, eine Art Auftakt für die nachfolgende Fasnet. In einem kleinen feierlichen Umzug zieht eine kleine Narrenschar in den Fronhof zum Jokilibrunnen. Dort schöpfen der Oberzunftmeister und der Zeremonienmeister nicht zu knapp den im Brunnenwasser enthaltenen Jokiligeist in eine „Biggi“, die der amtierende Oberjokili auf seinem Rücken zum Versammlungsort der anschließend stattfindenden Jahreszunftsitzung trägt. In der Versammlung wählen die anwesenden Narren schließlich den Oberjokili, das Stadttier und den Fahnenträger. Zudem werden neue Lehrlinge in die Zunft aufgenommen und Gesellen ernannt.

Hungrige Fasnetmännli

Die in den Fasnetmännli enthaltenen Spenden tragen einen wesentlichen Teil zur Finanzierungen unserer Straßenfasnet bei. Zumeist am ersten Samstag nach dem Dreikönigstag zieht die Jokiligruppe durch das Städtli und verteilt die Fasnetlieder umrahmt von Fasnetliedern und einer kleinen Zeremonie. Die Fasnetmännli beobachten fortan an ihren Plätzen in den Wirtschaften in stoischer Ruhe das bunte Fasnettreiben. Wenn sie nur könnten, würden sie Euch mit Sicherheit den einen oder anderen unvergesslichen Fasnetsschwank erzählen. Füttert die Fasnetmännli reichlich, damit wir auch weiterhin unsere Fasnet so feiern können, wie wir sie kennen und lieben!

Gizig! Gitzig!

Die närrische Zeit beginnt in Endingen an Maria Lichtmess (2. Februar). Ab diesem Tag dürfen sich die Kinder als „Häxli“ verkleiden. Die kleinen Häxli ziehen durch das Städtli und es klingen die ersten Fasnetlieder an. Ihre kecken Gizig-Rufe (geizig) bescheren den kleinen Häxli eine Belohnung. Die Häxli liefern auf diese Weise einen Vorgeschmack auf die eigentlichen Fastnachtstage.

Zunftball

Narrenbälle haben eine lange Tradition und einen festen Platz in der Endinger Fasnet. Viele der Narrennester, die närrischen Endinger Stadtteile, feiern in der Vorfasnetzeit ihre bunten Abende. Mit allerhand Darbietungen werden die Gäste unterhalten. Höhepunkt der Endinger Saalfasnet bilden die beiden großen Zunftbälle, die jedes Jahr am Freitag und Samstag direkt vor Fasnet stattfinden. Sie locken Publikum aus der ganzen Region an und bieten Unterhaltung auf höchstem närrischen Niveau.

Corona bedingt ist 2021 alles anders. Leider wird Corona an der Fasnet 2021 keine Saalveranstaltung wie den Zunftball zulassen. Wir haben in hunderten von Stunden Arbeit mühevoll und mit viel Liebe zum Detail eine ganze eigene, virtuelle Form des Zunftballs erschaffen. Gelangt hier zum Zunftball 2021 bzw. dem Besten aus den letzten vierzig Jahren Endinger Zunftball.

Jokili kumm!

Angeführt vom Besenmann, gefolgt vom Stadttier, setzt sich am Abend des schmutzigen Dunnschdig der große Hemdglunkerumzug in Bewegung. Zu Tausenden geht es durch die Altstadt zum Rathausbrunnen auf dem historischen Endinger Marktplatz. Dort wird vor dem Narrenbaum in einer imposanten Zeremonie der Jokili aus dem Brunnen geholt. Während die große Hemdglunkerschar noch ein lang gezogenes „Jokili kumm“ über den Marktplatz schallen lässt, erscheint der Oberjokili, die Leitfigur der Endinger Fasnet, auf dem Brunnen. Die ersten Jokili zeigen sich auf der Straße – „jetz isch ändlig d’Fasnet do“.

 

Unsere Kleinen ganz groß

Der Fasnetfridig mit seinem bunten Kinderumzug gehört den kleinsten Narren. Cowboys, Prinzessinnen und Bienen ziehen neben Kinderjokili musikalisch begleitet von unseren Kapellen und dem Harmonika-Spielring auf kurzem Wege zum Marktplatz. Dort zeigen dann die Endinger Kindergärten, was närrische Früherziehung bedeutet. Textsicher wie die Großen werden unser Endinger Fasnetslieder und –Sprichli geschmettert. Neben Tänzen stehen noch Spiele, wie zum Beispiel das allseits beliebte „Wirstlischnappe“ (Würstchenschnappen) auf dem Programm und runden diesen Tag des „Narresomä“ ab.

Katzenmusik und Schnurren

Am Vormittag des Fasnetsamschdig zieht die Jokiligruppe als Katzenmusik, ausgestattet mit Trommeln, Ziehharmonikas und allerhand improvisierten Instrumenten, durch das Städtli und fordert das Schmücken des Städtli – „Fahne rüs, Fahne rüs, s’Städtli sieht viel scheener üs.“ Am Samstag Abend ist dann das ganze Städtli auf den Beinen. Zahlreiche fantasievolle Schnurrgruppen ziehen von Wirtshaus zu Wirtshaus, um hinter ihrer Maskierung den Leuten auf närrisch-offene Art so allerlei zu erzählen, das Stadtgeschehen des vergangenen Jahres zu glossieren oder mit einstudierten Liedbeiträgen das Publikum zu unterhalten. Jedermann und jederfrau soll und darf mitmachen. In den Lokalen und auf den Straßen hört man die alten Fasnetlieder und -sprüche. In der Stadt herrscht urwüchsige Endinger Fasnetstimmung.

Jokili, überall Jokili!

Am Fasnetssunndig ist es endlig soweit, der lang ersehnte große Jokilitag steht an. Am Morgen ruft der Stadthauptmann, begleitet vom Bürgerwehr Spielmannszug, hoch zu Ross die Fasnet aus. Am Nachmittag versammeln sich dann hunderte große und kleine Jokili am Torli, um von dort aus zu ihrem ersten großen Umzug aufzubrechen. Zu den Klängen Endinger Narrenmärsche bewegt sich die große Jokilischar durch das Städtli. Am Abend des Sonntags wird dann nach einem stimmungsvollen Nachtumzug auf dem Marktplatz die Fasnet proklamiert. Hier darf der traditionelle Endinger Jokilitanz natürlich nicht fehlen.

Unser höchster Feiertag

Der Fasnetmendig ist für den Endinger Narren der höchste Feiertag. Der Tag beginnt mit dem ohrenbetäubenden Wecken. Die halbwegs ausgeschlafenen Narren treffen sich im Schlafanzug, mit allerlei Lärminstrumenten ausgerüstet, um gemeinsam mit dem Oberjokili durch die Straßen zu ziehen. An jedem Brunnen hält der bunte Weckumzug an und der Oberjokili verkündet: „Stehn uff, stehn uff, Ihr Narre!“ Im Mittelpunkt des Fasnetsmendig steht jedoch der große Umzug am Mittag mit den Endinger Traditionsfiguren und allen Narrennestern, die aufwendige bunte Wagen und Fußgruppen vorbereitet haben. Am Abend trifft sich Endingen dann im Bürgerhaus zum Fasnettanz.

Oje!

Am Fasnetzischdig nach Einbruch der Dunkelheit sammelt sich die Endinger Narrenschar zu ihrem letzten Umzug. Es formiert sich ein schauerlicher Trauerumzug. Auf einer Bahre wird der leblose Jokili von der trauernden Narrenschar zum Rathausbrunnen getragen, wo er unter großem Wehklagen („Oje!“), wieder im Brunnen versenkt wird. Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Warten auf die nächste Fasnet – „s’goht wieder drgege“.