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Die Endinger Narrenzunft von 1782 – Hüterin der Traditionen

Trotz oder gerade wegen des närrischen Traditionsbewusstseins der Endinger Bevölkerung gibt es in unserer Kaiserstuhlstadt nur eine Narrenzunft, die ENDINGER NARRENZUNFT VON 1782 e.V. Eine Inflation von neuen Narrenfiguren und -zünften, wie in so vielen anderen Orten vergleichbarer Größe, hat es nicht gegeben. Die Zunft in ihrer heutigen Form wurde im Jahre 1929 in der Tradition der alten Narrenvereinigungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gegründet.

Jeder Endinger, ob „Männli“ oder „Wiibli“, darf an der Fasnet das historische Jokiligewand tragen. Eine Mitgliedschaft in der Zunft ist hierzu nicht notwendig. Der Jokili ist die Narrenfigur aller Endinger.

Die Narrenzunft sieht sich vielmehr als Hüterin der langen Endinger Jokilitradition. Sie wacht sorgfältig über das einwandfreie Auftreten der Jokili. Sie organisiert die traditionellen Umzüge und brauchbezogenen Anlässe vor und an der Fasnet und gibt somit der Endinger Fasnet den althergebrachten Rahmen, in dem sich das bunte und „wilde“ Narrentreiben Jahr für Jahr aufs Neue entfalten kann.

 


 

 

 

Struktur der Endinger Narrenzunft

Die Organisation der Narrenzunft entspricht der einer alten Handwerkszunft. Wer ihr beitritt, hat sich zuerst in drei Zunftjahren als Zunftlehrling zu bewähren, ehe er zum Zunftgesellen und damit zum Mitglied ernannt und in den Kreis der Zunftbrüder aufgenommen wird. Die aktive Mitgliedschaft in der Endinger Narrenzunft ist den Männern vorbehalten. Das früheste Eintrittsalter für eine aktive Mitgliedschaft beträgt 15 Jahre.

Aus den Reihen der Zunftbrüder werden die Zunftmeister in ihren einzelnen Funktionen als Oberzunftmeister, Zeremonienmeister, Zunftchronist, Zunftsäckelmeister etc. gewählt. In der Regel bleiben die Gewählten auf Lebzeit in ihrem Zunftmeisteramt: einmal Zunftmeister, immer Zunftmeister. Kraft Amtes ist auch der jeweilige Endinger Bürgermeister, einer alten Tradition entsprechend, Zunftmeister der Narrenzunft.

Bewährte aktive Zunftgesellen können in den Zunftbeirat gewählt werden, dem auch die Narrenvögte der örtlichen Narrennester angehören. Beiräte und Meister bilden zusammen den Zunftrat. Die als Jokili aktiven, meist jüngeren Zunftbrüder sind in der Jokiligruppe zusammengeschlossen. Aus ihren Reihen werden alljährlich der Oberjokili, das Stadttier und der Fahnenträger gewählt.

 


 

 

 


Zunftmeister, Oberjokili, Stadttier und Fahnenträger im Narrenjahr 2016

 

Name

Funktion

 

Ralph Baumann

Oberzunftmeister

E-Mail

Clemens Sexauer

Zeremonienmeister

E-Mail

Michael Gürtner

Zunftchronist

E-Mail

Olaf Spies

Zunftsäckelmeister

E-Mail

Axel Hofer

Jokilimeister

E-Mail

Daniel Burger

Gwandmeister

E-Mail

Martin Lossa

Oberjokili

2016

Jonas Zimmermann  

Stadttier

2016

Daniel Krüger

Fahnenträger

2016



 

 

Das Endinger Torli und das neue Zunfthaus

 

Endingen besitzt seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts Stadtrechte. Im Jahre 1319 ist für die Stadtmauer der erste urkundliche Nachweis gegeben. Die Stadtanlage mit dem nahezu rechteckigen Mauerring hatte einst drei, vielleicht auch vier Tore: im Westen das Königschaffhauser Tor, im Osten das Riegeler Tor, das Freiburger Tor im Süden und ggf. ein Tor nach Norden, das auf einer Darstellung des 18. Jahrhunderts im Bereich des so genannten Helmenwinkels gezeigt ist, für das es allerdings keine weiteren Belege gibt. Das einzige heute noch erhaltene Tor ist das Königschaffhauser Tor, im Volksmund „Torli“ genannt. Sein heutiges Aussehen geht auf einen Umbau aus dem Jahre 1581 zurück.

Seit 1973 ist das Torli zur Nutzung der Endinger Narrenzunft überlassen. Im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung hat die Zunft, allen voran die Jokiligruppe, in monatelanger Arbeit sämtliche Räume innerhalb der dicken Mauern renoviert und hergerichtet. Ein prächtiger, verhältnismäßig großer Raum ist zur historischen „guten Stube“ der Zunft geworden. Um den großen Tisch, auf geschnitzten Stühlen (sie zeigen Endinger Fasnetgestalten und Symbole), versammeln sich die Zunftmeister zur Beratung und zu frohen Stunden. In den darunterliegenden ehemaligen Arrestzellen wurde ein kleines, aber feines Museum eingerichtet, in dem die Endinger Fasnet und ihre Narrenfiguren dargestellt sind. Das gemütliche Narrestibli im seitlichen Anbau, ehemals Teil des Wehrganges, dient der Jokiligruppe als Versammlungsort. Es hat schon manchen Jokili zum urgemütlichen, weinseligen Narrenhock gelockt.

Die sich südlich entlang der Stadtmauer anschließenden Gebäude, ein ehemaliges Wohnhaus und mehrerer Nebengebäude, sind seit einiger Zeit ebenfalls im Eigentum der Stadt. Im Jahr 2012 entschloss sich die Stadt dieses alte, erhaltenswerte Gebäudeensemble ebenfalls der Narrenzunft zur Nutzung zu überlassen. Mittlerweile wurden die Gebäude von der Stadt gemeinsam mit der Narrenzunft im Rahmen des Landessanierungsprogramms zum neuen „Zunfthaus“ umgebaut. Darin befinden sich nunmehr das Archiv, die Gewand- und Zeugkammern, eine Küche sowie ein weiterer Versammlungsraum für uns Narren.