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Die Geschichte der Endinger Fasnet

Die Fasnet in Endingen ist seit vielen Jahrhunderten gelebte Tradition. Tief in der Bevölkerung verwurzelt wird sie von Generation zu Generation weitergegeben. Sie war ständigen Veränderungen unterlegen. Kriege und wirtschaftliche Not setzten ihr – wie andernorts auch – zeitweilig schwer zu. Aufkommender Wohlstand förderte sie im Gegenzug, wie das prägende ausgehende 18. Jahrhundert eindrücklich belegt.

Verglichen mit der überaus langen Geschichte ist jedoch die Anzahl der uns bekannten Hinweise spärlich. Zu wenig systematisch und durch Zufälle geprägt war bislang die Suche in den Archiven, zu vieles verliert sich im Dunkel der Zeit.

 

 


 


Älteste Nachweise

AltDie ältesten, bekannten Hinweise zur Fasnet in Endingen stammen aus dem Jahre 1499. Endingen war bereits über 100 Jahre Teil des Habsburgerreiches und neben Städten wie Freiburg und Breisach ein wichtiger Ort im vorderösterreichischen Breisgau.

Kaiser Maximilian bewilligte in jenem Jahr den Bürgern der Stadt Endingen einen Jahrmarkt auf den Montag und Dienstag vor dem Sonntag Estomihi. Dem Sonntag also, “so man nennt der Pfaffen vasnacht”, wie die erhaltene Urkunde es angibt.Grund für die Erteilung dieses Privilegs war der “Eifer” der Endinger im sogenannten Schweizerkrieg, den Maximilian gegen die Eidgenossen geführt hatte. Erstaunlich ist, dass dieser Markt noch heute alljährlich abgehalten wird. Im Volksmund heißt er schlicht “Fasnetsmärkt” oder “Febrmärkt”.

Die Fastnachtserwähnung von 1499 ist nicht viel mehr als eine kalendarische Angabe. Dennoch können wir davon ausgehen, dass das Legen des Marktes auf die Fastnachtstage durchaus bewusst geschehen ist. An der Fasnet war die Stadt sicher auch schon in der damaligen Zeit voll von Leuten; ein ideales Pflaster für die Händler und Spielleute. Auf das Maskentragen und andere fastnächtliche Brauchausübungen, außer der obligatorischen Fettlebe, können wir aus den Quellen von 1499 aber nicht schließen.

 

 


 

 

18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert, insbesondere das ausgehende, war eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit für Endingen. Zahlreiche wertvolle Baudenkmale, die heute noch das Ortsbild prägen, sind in jenen Zeiten entstanden. Und auch für die Fasnet liegen uns einige wertvolle Belege zur Endinger Fasnet vor, die einen tiefen Einblick in das närrische Treiben der damaligen Zeit erlauben.

Am Ende des 18. Jahrhunderts tritt zum ersten Mal der Jokili auf, die Hauptgestalt der Endinger Fasnet. Somit blickt die heutige Endinger “Jokili-Fasnet” auf eine über 225jährige Tradition zurück.

1736 – Maskenlauf und Deiflspyln

Aus dem Jahre 1736 stammt der folgende Auszug aus den Endinger Ratsprotokollen. Er liefert den ersten Hinweis auf das Maskenlaufen in Endingen:

Auf gegenwerthige fastnachtzeith sollen die ledige leüth sich in den würthshaüsern nachts nach 9 Uhren nit mehr fünden lassn, die würth auch nach solcher zeith kein wein mehr ausschenkhn, under straf; 5 Pfund Pfennig: nicht weniger das masquieren, danzen und deiflspyln solle unter gemelter [genannter] straf nach bethzeith abends eingestellt und verbothn seyn : auch ausser den 3 letsten fastnachtägen kein laubertag [arbeitsfreier Festtag] mehr gehaltn werden : wie dann ein solches der gesambten gemeind zue publicieren ist.

Interessant an diesem bemerkenswerten Fastnachtsbeleg ist neben dem “Maskieren”, welches nach der Betzeit verboten war(!), auch das “Deiflspyln”, dessen Ablauf und Inhalt uns nicht mehr bekannt sind.

1777/78 – Ausschank des Schauertagweins

Für die Jahre 1777 und 1778 ist der Ausschank des Schauertagweines belegt, dessen Verbot nachdrücklich von der vorderösterreichischen Regierung gefordert wurde. Wie wir aus Briefen an die Regierung wissen, stellten sich Bürgermeister und Rat der Stadt vor die Endinger Bürgerschaft und schenkten – trotz Verbot – den Schauertagwein aus. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass der Brauch schon “in vorige Jahrhunderte” zurückreiche. An anderer Stelle heißt es gar, dass er seit “ohnfürdenklicher Zeit” ausgeübt werde.

Der Ausschank des Schauertagweines lässt durchaus die Vermutung zu, dass im 18. Jahrhundert, aber auch schon früher, der Schauertag (Aschermittwoch) fester Bestandteil der EndingerFasnet war.

1782 – Fasnetsspiel, Fasnetszunft und der Jokili

Das Jahr 1782 spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte der Endinger Fasnet. Für dieses Jahr ist erstmals der Endinger Jokili belegt. Damals fand ein Umzug statt, bei dem der Jokili, auf seinem Thron sitzend, mitgeführt wurde. Im Anschluss wurde auf dem Marktplatz ein Fasnetsspiel mit dem Titel “Jokilis Heimkehr” aufgeführt.

Der Titel des Fasnetsspieles lässt der Spekulation Raum, dass auch vor 1782 die Gestalt des Jokili eine Rolle in der Endinger Fasnet gespielt haben könnte. Belege gibt es hierzu aber nicht.

Für das Jahr 1782 ist auch schon von einer Fasnetszunft die Rede, die Bestandteil der Endinger Meistersingergilde war. Der Gildemeister der Meistersinger, Adrian Ganter, war zur Fasnetzeit Zunftmeister dieser Narrenzunft.

 

 


 

 

19. Jahrhundert

Nach Auflösung des Zunftwesens (zu Beginn des 19. Jahrhunderts) und dem Ende der über 400 Jahre währenden Herrschaft Österreichs wechselten in Endingen die Träger des kulturellen Lebens und des fastnächtlichen Brauchtums. An die Stelle der Zünfte und Gilden traten die Vereine und bürgerlichen Gesellschaften.
Wie im ganzen
alemannisch-schwäbischen Bereich auch, war die hiesige Fastnacht den Einflüssen des rheinischen Karnevals ausgesetzt. Dies bewirkte, dass neben den tradierten Elementen, wie der Figur des Jokili, die Saalfastnacht und historisierende Narrenspiele eine immer bedeutendere Rolle spielte.

1842 – Narrenzunft KrakehliaAlt1

Für das Jahr 1842 ist die Gründung des Fasnetsvereins “Krakhelia” belegt, dessen Mitglieder sich aus dem aufkommenden Bürgertum rekrutierten. Unter den Gründern war der damalige Bürgermeister Franz Michael Kniebühler. Der Verein hatte bis zum Ende des Jahrhunderts Bestand. In die Zeit der Krakehlia fällt die Aufführung des historisierenden Fasnetsspiel “Die Einnahme Sewastopols” im Jahre 1846. Das Spiel muss so viele Menschen in die Stadt gelockt haben, so erzählte man sich, wie seit der Aufführung des so genannten Judenspiels zu Beginn des 17. Jahrhunderts nicht mehr.

ab 1860 – älteste erhaltene Narrenkleider und Larven

Aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind alte Narrenkleider und Kleiderteile erhalten geblieben, die uns neben Berichten von Gewährsleuten, ein klares Bild vom Jokili in jener Zeit vermitteln. Jokiligewänder gab es in den verschiedensten Farben und Mustern. Eine Normierung und Reglementierung war nicht bekannt. Verwendung fanden einfache Stoffe sowie Tücher, die aus der Mode gekommen waren; neben (gestreiftem) Matrazenstoff auch alte Tischdecken, Vorhänge und abgelegte Hochzeitsumhänge (sogenanntes Wiener Tuch). Besonders bemerkenswert ist ein reich mit Arabesken verziertes Jokiligewand (um 1870), das nach seinem Träger “dr Wiimickli” genannt wird. Auch die ältesten erhaltenen Larven (Drahtlarven) dürften in diese Zeit zu datieren sein.

Ende des 19. Jahrhunderts – ein Elferrat

Von den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts an lag die Leitung der Straßen- und Saalfasnet in Endingen hauptsächlich in den Händen eines Elferrats unter Vorsitz von Alexander Vollherbst. Auch die Herausgabe des jährlichen “Narrenblättli” lag in den Händen dieses Rates, der sich überwiegend aus Endinger Handwerkern rekrutierte.

 

 


 

 

20. Jahrhundert

 

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erlebte die Fasnet eine wahre Renaissance. Im gesamten alemannisch-schwäbischen Raum besann man sich auf die alten überkommenen Fasnetstraditionen und drängte die karnevalesken Einflüsse bewusst zurück.

In diese Zeit fällt die Gründung vieler Narrenzünfte, nicht nur in Endingen und den wenigen anderen Orten, in denen alte Narrenfiguren die Jahrhunderte überlebt hatten. Auch in zahlreichen Städten, die sich gänzlich dem Karneval verschrieben hatten oder bisher kaum Fastnacht feierten, war dies der Fall.

Um die Jahrhundertwende – Narrenblättli und JokilismachenScan0006

Aus der Zeit der Jahrhundertwende sind noch eine ganze Reihe von Fasnetsplakaten und -programmen, aber auch Narrenzeitungen vorhanden. Dies zeugt von einer lebendigen Endinger Fasnet vor dem Ersten Weltkrieg. Die Titel der frühen Narrenblättli waren “D’Bärwel” (1901/1902), “Bärwel un Schorsch” (1903) und später
“Dr Torligücker” und “Wehdagiger Anzeiger” (1930er Jahre).

Durch Aussagen von Gewährsleuten wissen wir, dass auch um die Jahrhundertwende das “Jokilismachen”, wie das Narrenlaufen in Endingen heißt, stattgefunden hat. Die Zahl der Laufnarren muss allerdings gering gewesen sein. Neben dem Jokili sind auch immer mehr Domino- und Bajässli-Figuren (mit ihren typischen Spitzgugeln) am Narrentreiben beteiligt.

Die 1920er Jahre – Jokilismachen

Aus Zeitungsberichten wissen wir, dass auch nach der Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg das Jokilismachen (vor allem das der Kinder) gepflegt wurde.

1929 – Wiedergründung der Narrenzunft

In der Tradition der frühen Narrenvereine des 18. und 19. Jahrhunderts wurde 1929 die Endinger Narrenzunft gegründet. Am 5. Februar jenen Jahres haben sich einige Endinger Bürger zusammengefunden, “um aus Liebe zu unserer Heimatstadt das alte Brauchtum der Endinger Fasnet zu festigen, zu pflegen und kommenden Generationen zu erhalten”.

1939 – Aufnahme in den V.O.N.

Im Jahre 1939 schließt sich die Endinger Narrenzunft dem Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.) an, dem die Zunft bis 1979 angehörte.

1980 – Wechsel in die VSAN

Seit 1980 ist die Endinger Narrenzunft Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), der ältesten und bedeutendsten Narrenvereinigung, und ist dort der “Fasnetslandschaft Schwarzwald” zugeordnet.

2007 – Internationales NarrenFest

Mit Gästen aus 6 Ländern feierten wir 2007 unser unvergessenes Historisches und Internationales NarrenFest. Anlass der emotionalen und ganz auf die traditionellen Fasnetsbräuche ausgerichteten Feierlichkeiten war der 225. “Geburtstag” unseres Jokili. Alte närrische Freundschaften wurden vertieft, neue geknüpft. Die Stadt war drei Tage Zentrum geballter fastnächtlicher Hochkultur.